Folge 118 | Ausrüstung geprüft? Die wichtigsten Warnsignale an deinem Klettermaterial

Folge 118 | Ausrüstung geprüft? Die wichtigsten Warnsignale an deinem Klettermaterial

Klettermaterial richtig prüfen: Das sind Warnsignale bei Seil, Gurt, Bandschlingen und Karabinern

Klettermaterial ist unsere Lebensversicherung. Trotzdem wird es im Alltag oft erst dann genauer betrachtet, wenn etwas offensichtlich beschädigt ist. Dabei lohnt es sich, regelmäßig einen kritischen Blick auf die eigene Ausrüstung zu werfen.

In dieser Folge geht es darum, wann Klettermaterial ausgetauscht werden muss, welche Schäden besonders relevant sind und woran man erkennt, ob Seil, Gurt, Bandschlingen, Karabiner oder andere Ausrüstung noch sicher verwendet werden können. Dabei geht es nicht nur um die eigene Sicherheit. Das Material betrifft immer auch den Kletterpartner oder die Kletterpartnerin. Wenn beispielsweise der Gurt, das Seil oder eine andere sicherheitsrelevante Komponente versagt, kann dadurch auch die andere Person gefährdet werden.

Wie lange hält Klettermaterial?

Eine häufige Frage ist, wie lange Kletterausrüstung grundsätzlich verwendet werden kann. Viele Hersteller geben für textile Materialien wie Gurte, Seile oder Bandschlingen eine maximale Lebensdauer von etwa zehn Jahren an.

Wichtig ist dabei: Diese Angabe bezieht sich auf unbenutztes Material, das optimal gelagert wird.

Das bedeutet:

  • trocken,
  • dunkel,
  • sauber,
  • geschützt vor Umwelteinflüssen.

Sobald Material regelmäßig benutzt wird, verändert sich die Situation. Beim Klettern wirken Belastungen, die die Lebensdauer deutlich beeinflussen können, vor allem beim Klettern draußen am Fels:

  • Reibung in Rissen und Kaminen,
  • Kontakt mit scharfen Kanten,
  • Stürze,
  • Steinschlag,
  • allgemeiner Verschleiß durch häufige Nutzung.

Ein Material, das zehn Jahre unbenutzt im Schrank liegt, hält deshalb im tatsächlichen Klettereinsatz nicht automatisch genauso lange.

Bei Metallteilen wie Karabinern gibt es dagegen keine feste zeitliche Begrenzung. Aluminium- oder Edelstahlkarabiner können grundsätzlich sehr lange halten, solange keine relevanten Schäden auftreten.

Zwei Arten von Schäden: Mechanische Belastung und Umwelteinflüsse

Grundsätzlich lassen sich Schäden an Klettermaterial in zwei große Bereiche einteilen:

Mechanische Schäden

Dazu gehören beispielsweise:

  • Abrieb,
  • Reibung,
  • Sturzbelastungen,
  • Schockbelastungen,
  • Steinschlag,
  • Beschädigungen durch Kanten.

Sand und Schmutz können ebenfalls problematisch sein, weil sie innerhalb des Materials wie kleine Schleifpartikel wirken. Dadurch entsteht über die Zeit eine innere mechanische Belastung.

Besonders kritisch sind Situationen mit viel Reibung. Wer beispielsweise häufig Risse klettert oder sich durch enge Kamine bewegt, belastet sein Material stärker als jemand, der ausschließlich in der Halle klettert.

Auch ein Seil, das immer wieder über dieselbe Kante läuft, kann dadurch geschädigt werden. Es muss keine extrem scharfe Kante sein – regelmäßige Belastung über viele Klettertage kann ausreichen, um Material abzunutzen.

Nach besonderen Ereignissen wie einem starken Steinschlag sollte das Material immer gezielt kontrolliert werden.

Schäden durch Umwelteinflüsse

Deutlich schwieriger zu erkennen sind Schäden durch äußere Einflüsse wie:

  • UV-Strahlung,
  • Säuren,
  • falsche Lagerung.

Der beste Schutz ist deshalb eine geeignete Aufbewahrung und zwar dunkel, kühl und trocken.

Verfärbungen sollten immer ernst genommen werden. Besonders bei textilen Materialien können sie ein Hinweis auf UV-Schäden oder chemische Belastungen sein.

UV-Strahlung: Ein unterschätztes Risiko für Klettermaterial

UV-Licht kann textile Materialien langfristig schädigen. Wie stark dieser Effekt ist, hängt davon ab, wie lange und wie intensiv das Material der Sonne ausgesetzt ist. Ein Unterschied besteht beispielsweise zwischen einer Expressschlinge, die dauerhaft in einer Route hängt, und einer Expressschlinge, die nur gelegentlich beim Klettern verwendet wird.

Problematisch ist auch die Lagerung. Wer seine Klettersachen beispielsweise dauerhaft auf einem sonnigen Balkon lagert, setzt sie einer unnötigen Belastung aus. Auch im Auto sollte man vorsichtig sein. Ein Helm, der über längere Zeit auf der Ablage liegt und regelmäßig direkter Sonne ausgesetzt ist, kann durch UV-Strahlung spröde werden.

Erkennbare Warnzeichen können sein:

  • Verfärbungen,
  • sichtbare Veränderungen der Oberfläche,
  • sprödes Material.

Gerade bei Helmen sollte man bei solchen Veränderungen lieber vorsichtig sein und ihn austauschen.

Batteriesäure: Eine unsichtbare Gefahr

Neben UV-Strahlung ist auch der Kontakt mit Säuren ein großes Problem. Besonders relevant ist Batteriesäure. Es gab Unfälle, bei denen nachträglich festgestellt wurde, dass Seile oder Gurte mit Batteriesäure in Kontakt gekommen waren. Deshalb sollte Klettermaterial nicht einfach offen im Kofferraum liegen. Man weiß oft nicht, was dort vorher transportiert wurde oder ob irgendwann einmal eine Batterie ausgelaufen ist.

Besser ist:

  • Material im Seilsack oder Rucksack lagern,
  • direkten Kontakt mit unbekannten Oberflächen vermeiden.

Das Problem bei Säureschäden: Die Belastbarkeit kann massiv reduziert sein, obwohl man äußerlich kaum etwas erkennt.

Helme kontrollieren: Risse, Verformungen und UV-Schäden erkennen

Auch Kletterhelme sind verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Neben mechanischen Schäden spielt besonders die UV-Strahlung eine Rolle. Durch längere Sonneneinstrahlung kann das Material spröde werden. Ein typisches Beispiel ist ein Helm, der über längere Zeit im Auto auf der Ablage liegt und dort regelmäßig Sonne abbekommt.

Mögliche Warnzeichen sind:

  • Verfärbungen,
  • sichtbare Risse,
  • Dellen,
  • abgetrennte Teile,
  • Verformungen.

Wenn ein Helm einen deutlichen Steinschlag abbekommen hat, sollte er anschließend ebenfalls kontrolliert werden. Ein äußerlich kleiner Schaden kann bedeuten, dass die Schutzwirkung beeinträchtigt ist. Bei reinen Kunststoffhelmen können kleine Dellen teilweise unproblematisch sein. Anders sieht es aus, wenn der innere Schaum beschädigt ist oder sichtbare Risse beziehungsweise Löcher vorhanden sind. In diesem Fall sollte der Helm ausgetauscht werden.

Bandschlingen: Beschädigungen sofort ernst nehmen

Bandschlingen gehören zu den Materialien, bei denen Beschädigungen besonders kritisch betrachtet werden müssen. Anders als bei einem Seil gibt es keinen Schutzmantel, der einen tragenden Kern schützt. Bei einer Bandschlinge besteht das gesamte Material aus tragenden Fasern, die direkt sichtbar und fühlbar sind. Jede einzelne Faser trägt zur Festigkeit bei.

Achten sollte man besonders auf:

  • Schmelzverbrennungen,
  • Verhärtungen,
  • Schnitte,
  • Risse,
  • starken Abrieb,
  • beschädigte Bandkanten.

Schmelzverbrennungen entstehen beispielsweise, wenn Textil auf Textil mit hoher Reibung läuft. Solche Schäden sind häufig gut sichtbar. Das Material kann sich verhärten und fühlt sich anschließend nicht mehr weich, sondern eher plastisch an. Durch solche Veränderungen sinkt die Festigkeit deutlich.

Auch Abrieb kann problematisch werden. Wenn eine Bandschlinge beispielsweise als Schutz zwischen Seil und Kante eingesetzt wird und den ganzen Tag über diese Kante bewegt wird, kann das Material stark geschwächt werden. Besonders kritisch sind Beschädigungen an der Bandkante. Ein Einriss an der rechten oder linken Kante kann die Festigkeit massiv reduzieren.

Wenn eine Bandschlinge aussortiert werden muss, empfehle ich, sie direkt unbrauchbar zu machen:

Eine beschädigte Bandschlinge sollte nicht einfach irgendwo liegen bleiben. Am besten schneidet man sie sofort mit Messer oder Schere durch, damit sie später niemand versehentlich wieder verwendet.

Lebensdauer von Bandschlingen

Als grobe Orientierung werden für Bandschlingen häufig etwa zwei bis fünf Jahre angegeben.

Die tatsächliche Lebensdauer hängt aber stark davon ab:

  • wie häufig die Bandschlinge benutzt wird,
  • wie stark sie mechanisch belastet wurde,
  • wie viel Sonne sie abbekommen hat,
  • aus welchem Material sie besteht.

Besonders Dyneema-Bandschlingen sind aufgrund ihrer dünnen Bauweise empfindlicher gegenüber Abrieb und UV-Strahlung.

Expressschlingen prüfen

Auch bei Expressschlingen muss das Bandmaterial regelmäßig kontrolliert werden. Gerade Dyneema-Schlingen sollten bei sichtbarer Aufpelzung kritischer bewertet werden.

Ein Test des DAV zeigte, wie stark beschädigtes Material an Festigkeit verlieren kann: Eine stark aufgeraute Dyneema-Schlinge, die ursprünglich mit 22 kN angegeben war, erreichte im Test nur noch etwa 10 kN.

Besonders kritisch sind:

  • starke Aufpelzung,
  • Schnitte,
  • Abrieb,
  • UV-Schäden.

Bei Nylon-Bändern kann eine gewisse normale Abnutzung vorkommen. Bei sehr dünnen Dyneema-Bändern sollte man jedoch deutlich früher reagieren.

Auch die Karabiner der Expressschlinge sollten regelmäßig überprüft werden:

  • Funktioniert der Verschluss?
  • Gibt es sichtbare Beschädigungen?
  • Sind starke Einkerbungen vorhanden?

Kletterseile richtig beurteilen

Das Kletterseil besteht aus zwei wichtigen Bereichen:

  • dem Mantel als Schutzschicht,
  • dem Kern als tragendes Element.

Der Mantel schützt den Kern vor äußeren Einflüssen. Wird der Kern sichtbar, muss das Seil genauer betrachtet und ausgetauscht werden. Dabei muss nicht immer das komplette Seil entsorgt werden. Wenn eine Beschädigung am Anfang oder Ende des Seils liegt, kann das beschädigte Stück unter Umständen abgeschnitten werden. Bei einer Beschädigung in der Mitte stellt sich die Frage, wie lang das verbleibende Seil danach noch ist.

Ein langes Seil kann dadurch beispielsweise in zwei kürzere Stücke geteilt werden und eventuell noch für andere Einsatzzwecke verwendet werden.

Der Knicktest beim Seil: Nicht immer eindeutig

Ein bekannter Test zur Seilkontrolle ist der sogenannte Knicktest. Dabei legt man das Seil aufeinander und schaut, ob eine Schlaufe entsteht oder ob es flach zusammenliegt. Dieser Test sollte aber nicht überbewertet werden.

Der Grund: Manche Seile sind grundsätzlich weicher und lassen sich leichter zusammenlegen. Bei einem sehr fest gewebten Seil kann eine Stelle, an der plötzlich eine deutliche Knickbildung möglich ist, jedoch ein Hinweis auf eine Beschädigung sein.

Zusätzlich lohnt es sich, das Seil durch die Hände laufen zu lassen.

Dabei kann man manchmal Veränderungen ertasten:

  • ungewöhnlich weiche Stellen,
  • Beulen,
  • verdickte Bereiche,
  • ungleichmäßige Stellen.

Auch beim Sichern sollte man aufmerksam sein. Wenn eine Stelle ungewöhnlich schlecht durch das Sicherungsgerät läuft oder sich anders anfühlt, sollte diese Stelle anschließend kontrolliert werden.

Aufpelzung am Seil: Nicht immer ein Grund zum sofortigen Austausch

Ein häufiges Verschleißbild bei Kletterseilen ist die sogenannte Aufpelzung des Mantels. Das bedeutet, dass die äußeren Fasern des Seilmantels aufrauen und kleine Fäden entstehen. Eine starke Aufpelzung ist natürlich nicht ideal, aber sie bedeutet nicht automatisch, dass das Seil sofort unbrauchbar ist.

Der Mantel schützt den Kern des Seils. Bei einer Aufpelzung ist zunächst vor allem die Handhabung betroffen:

  • Das Seil läuft schlechter durch das Sicherungsgerät.
  • Das Seil kann sich schwerer ausgeben oder einziehen lassen.
  • Das Sichern kann dadurch erschwert werden.

Gerade in Kletterhallen kennt man das Problem bei stark beanspruchten Toprope-Seilen, die irgendwann kaum noch durch das eigene Sicherungsgerät laufen. Das ist nicht nur ein Komfortproblem. Wie schnell ein Sichernder Seil ausgeben oder einziehen kann, kann im Ernstfall entscheidend sein. Wenn ein Seil stark aufgepelzt ist, sollte man deshalb genau prüfen, ob es noch sinnvoll eingesetzt werden kann.

Verschleiß am Seil: Besonders Anfang und Ende kontrollieren

Ein Kletterseil verschleißt besonders stark an den Enden. Denn dort bindet man sich regelmäßig ein, es entstehen häufig Belastungen durch Stürze und das Seil wird stärker beansprucht. Deshalb werden die ersten Meter eines Seils oft früher beschädigt.

Ich kaufe deshalb inzwischen lieber längere Seile, damit ich sie mit der Zeit Stück für Stück kürzen kann. Früher hab ich eher 60-Meter-Seile verwendet. Wenn davon allerdings einige Meter abgeschnitten werden müssen, kann das bei längeren Routen problematisch werden. Mit einem längeren Seil bleibt mehr Spielraum, bevor es für bestimmte Einsätze zu kurz wird.

Schmelzverbrennungen am Seil

Auch beim Kletterseil können Schmelzverbrennungen entstehen.

Diese können beispielsweise auftreten, wenn:

  • das Seil stark über eine Kante läuft,
  • zusätzlich eine Bandschlinge beteiligt ist,
  • Reepschnüre oder andere Textilien mit hoher Reibung am Seil wirken.

Solche beschädigten Stellen sollten entfernt oder das Seil entsprechend ausgetauscht werden. Wenn man ein Seil kürzt, muss außerdem die Mittelmarkierung kontrolliert werden. Wird vorne oder hinten unterschiedlich viel abgeschnitten, stimmt eine ursprüngliche Markierung möglicherweise nicht mehr.

Die wichtigste Sicherheitsregel bleibt aber unabhängig davon bestehen:

Der Seilknoten am Ende des Seils rettet Leben.

Ein korrekt gesetzter Endknoten verhindert, dass das Seil versehentlich vollständig durch das Sicherungsgerät läuft.

Kletterseile richtig lagern

Auch die Lagerung beeinflusst die Lebensdauer eines Seils. Ein Seil sollte nicht dauerhaft aufgehängt werden, beispielsweise nur zur Präsentation an einer Stange.

Besser ist:

  • sauber,
  • trocken,
  • gut belüftet,
  • dunkel lagern.

Vor allem UV-Strahlung sollte vermieden werden.

Den Klettergurt regelmäßig kontrollieren

Auch der Klettergurt sollte regelmäßig überprüft werden. Besonders wichtig sind dabei die tragenden Bereiche:

  • Hüftgurtband,
  • Beinschlaufen,
  • Sicherungsschlaufe,
  • Einbindeschlaufe,
  • Nähte.

Folgende Warnzeichen sollten ernst genommen werden:

  • Risse,
  • Löcher,
  • geschmolzene Stellen,
  • gerissene Fäden,
  • stark abgenutztes Bandmaterial,
  • Ausbleichen,
  • Verfärbungen.

Ausbleichen kann auf UV-Schäden hindeuten. Verfärbungen können ein Hinweis auf chemische Belastung sein, beispielsweise durch Säure. In beiden Fällen sollte der Gurt aussortiert werden.

Sicherheitsindikatoren an Gurten

Viele Hersteller verwenden inzwischen spezielle Sicherheitsindikatoren in den tragenden Schlaufen. Dabei werden unterschiedlich gefärbte Fasern eingearbeitet. Wenn das Material stark abgenutzt ist, wird diese zusätzliche Farbe sichtbar. Oft handelt es sich dabei um rote Fasern. Wenn solche Indikatorfasern sichtbar werden, ist das ein Zeichen, dass der Gurt ausgetauscht werden sollte.

Besonders wichtig sind außerdem die sogenannten Ringnähte. Diese speziellen Nähte verbinden tragende Bereiche und unterscheiden sich optisch von normalen Nähten.

Sie sollten kontrolliert werden auf:

  • gerissene Fäden,
  • starke Abnutzung,
  • Aufrauung,
  • Verfärbungen,
  • Ausbleichen.

Bei Unsicherheit: Hersteller kontaktieren

Wenn eine Beschädigung schwer einzuschätzen ist, kann es sinnvoll sein, direkt beim Hersteller nachzufragen. Ich hatte an meinem Gurt einmal lose Fäden an der Einbindeschlaufe entdeckt und war unsicher, ob der Gurt noch verwendet werden konnte. Ich machte Fotos aus verschiedenen Perspektiven und kontaktierte den Hersteller. Die Rückmeldung kam schnell und es wurde erklärt, dass die Fäden in diesem Fall problemlos entfernt werden konnten oder der Gurt alternativ eingeschickt werden konnte.

Ein direkter Kontakt zum Hersteller kann also helfen, wenn die eigene Einschätzung schwierig ist.

Gurtschnallen und Abriebschutz überprüfen

Auch die Metallteile des Gurtes sollten kontrolliert werden.

Wichtige Fragen:

  • Haben die Schnallen scharfe Kanten?
  • Gibt es Korrosion?
  • Sind Beschädigungen sichtbar?

Durch starke mechanische Belastung können auch Schnallen beschädigt werden. Besonders relevant ist Korrosion, beispielsweise beim Klettern in Meeresnähe. Aufgrund von korrodierten Schnallen habe ich zum Beispiel bereits einen Klettergurt entsorgen müssen.

Auch der Abriebschutz an der Verbindung zwischen Beinschlaufen und Anseilschlaufe sollte kontrolliert werden. Wenn dieser Schutz beschädigt ist, sollte man genauer hinschauen.

Austauschen sollte man den Gurt insbesondere bei:

  • Schnitten,
  • Einkerbungen,
  • Ausdünnungen,
  • starkem Abrieb,
  • aufgerautem Material.

Karabiner kontrollieren: Nicht jeder Kratzer ist gefährlich

Auch Metallteile wie Karabiner müssen regelmäßig überprüft werden. Im Klettersport bestehen Karabiner meistens aus Aluminium, weil dieses Material leicht ist. Grundsätzlich haben Metallteile keine feste Lebensdauer. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Zustand.

Ein Karabiner sollte ausgetauscht werden bei:

  • deutlichen Verformungen,
  • tiefen Kerben,
  • starken Beschädigungen,
  • scharfen Kanten.

Nicht jeder kleine Kratzer bedeutet allerdings automatisch, dass ein Karabiner unbrauchbar ist.

Materialabtrag am Karabiner erkennen

Gerade bei Expresskarabinern entstehen durch normalen Gebrauch häufig Abriebspuren. Wenn beispielsweise der Karabiner auf der Seilseite immer wieder durch das Seil belastet wird, kann sich über Monate und Jahre Material abtragen. Das ist zunächst normaler Verschleiß.

Bei Aluminiumkarabinern gilt: Wenn etwa 25 Prozent des Materials abgetragen sind, wird es kritisch und der Karabiner sollte spätestens dann ersetzt werden. Besonders wichtig ist dabei nicht nur der sichtbare Materialverlust, sondern auch die Form der entstandenen Kanten.

Man sollte mit dem Finger prüfen:

  • Ist die Stelle scharfkantig?
  • Oder ist sie rund und gleichmäßig abgenutzt?

Scharfe Kanten können im schlimmsten Fall das Seil beschädigen oder sogar durchtrennen, beispielsweise bei einem Sturz.

Verschlussmechanismen von Karabinern prüfen

Nicht nur der Karabinerkörper selbst muss funktionieren. Auch der Verschluss sollte kontrolliert werden.

Ein Karabiner mit Selbstverriegelung sollte:

  • ohne Schwung schließen,
  • zuverlässig einrasten

Wenn ein Verschluss nur noch mit einem kräftigen Zuschlagen funktioniert, ist das kein gutes Zeichen. Bevor man einen Karabiner aussortiert, kann man ihn zunächst reinigen. Manchmal verhindern lediglich Schmutz oder Staub, dass der Mechanismus sauber arbeitet. Eine Reinigung mit Wasser und gegebenenfalls einer kleinen Bürste kann hier helfen.

Sicherungsgeräte: Auch Metall verschleißt

Auch Sicherungsgeräte sind nicht unbegrenzt haltbar. Bei vielen Geräten entstehen durch das laufende Seil mit der Zeit Abnutzungsspuren.

Ein Beispiel sind die Bremsrillen eines Tubes: Wenn diese stark abgeschliffen sind, kann die Bremswirkung reduziert sein. Dann ist es Zeit für ein neues Gerät.

Auch bei anderen Sicherungsgeräten kann Materialverlust auftreten. Bei Geräten aus Aluminium kann sich an Stellen, über die das Seil läuft, mit der Zeit eine deutliche Kante einschleifen. Wenn Material sichtbar fehlt oder die Form stark verändert ist, sollte man das Sicherungsgerät austauschen.

Mythos: Heruntergefallene Karabiner bekommen Haarrisse

Ein verbreiteter Mythos besagt, dass ein Karabiner nach einem Sturz aus großer Höhe automatisch weggeworfen werden muss, weil unsichtbare Haarrisse entstanden sein könnten. Diese Annahme stimmt nicht.

Untersuchungen haben gezeigt, dass ein normaler Sturz eines Karabiners aus großer Höhe nicht automatisch solche Haarrisse erzeugt. Was allerdings passieren kann: Bereits vorhandene Produktionsfehler können durch eine starke Erschütterung sichtbar werden.

Wenn ein Karabiner heruntergefallen ist, sollte man ihn deshalb trotzdem kontrollieren:

  • Gibt es sichtbare Schäden?
  • Funktioniert der Verschluss noch?
  • Sind Risse oder Verformungen erkennbar?

Wenn alles unauffällig ist, muss ein Karabiner nicht allein wegen eines Herunterfallens aussortiert werden.

Aluminiumkarabiner und Dauerschwellbelastung

Aluminiumkarabiner sind nicht für dauerhafte Belastungen gedacht. Eine sogenannte Dauerschwellbelastung, also ständiges Be- und Entlasten über lange Zeit, kann die Festigkeit reduzieren. Deshalb eignen sie sich beispielsweise nicht für die dauerhafte Befestigung beim Slacklinen. Das regelmäßige Spannen und Entspannen belastet das Material auf eine Art, für die es nicht ausgelegt ist.

Keile kontrollieren

Auch mobile Sicherungsgeräte wie Keile müssen überprüft werden. Besonders wichtig ist das kleine Drahtgeflecht, das den Keilkopf mit der Schlaufe verbindet. Diese Drahtverbindungen reagieren empfindlich auf Knickbelastungen.

Warnzeichen sind:

  • einzelne herausstehende Litzen,
  • gebrochene Drähte,
  • scharfe Stellen.

Das ist nicht nur ein Verletzungsrisiko, sondern reduziert auch die Festigkeit. Wenn Drahtlitzen beschädigt sind, sollte der Keil ausgetauscht werden.

Regelmäßige Materialkontrolle: Kleine Checks retten Leben

Ein kurzer Check vor jeder Nutzung ist sinnvoll.

Beim Seil passiert die Kontrolle oft automatisch: Beim Aufnehmen oder Ablegen läuft das Seil durch die Hände und man bekommt bereits ein Gefühl dafür, ob alles in Ordnung ist. Auch beim Anlegen des Gurtes sollte man kurz aufmerksam sein und den Zustand überprüfen.

Zusätzlich empfehle ich, mindestens einmal im Jahr das komplette Klettermaterial gründlich zu kontrollieren.

Dafür kann man sich bewusst Zeit nehmen:

  • alle Ausrüstungsteile ausbreiten,
  • jedes Materialstück anschauen,
  • beschädigte Stellen prüfen,
  • Verschleiß dokumentieren.

 

Gebrauchte Kletterausrüstung kaufen: Vorsicht bei Textilien

Kletterausrüstung gebraucht zu kaufen ist grundsätzlich möglich, aber man sollte unterscheiden.

Bei Metallteilen wie Karabinern kann ein Gebrauchtkauf eher nachvollziehbar sein, wenn der Zustand eindeutig beurteilt werden kann.

Bei textilen Materialien wäre ich deutlich vorsichtiger:

  • Gurte,
  • Seile,
  • Bandschlingen.

Hier weiß man oft nicht, wie das Material gelagert wurde, ob es UV-Strahlung ausgesetzt war, ob es mit Chemikalien in Kontakt gekommen ist und welche Belastungen es erlebt hat. Gerade bei sicherheitsrelevantem Textilmaterial sollte man deshalb sehr genau überlegen, ob ein Gebrauchtkauf sinnvoll ist.

Fazit: Materialkontrolle gehört zum Klettern dazu

Klettermaterial hält viel aus, aber es ist nicht unzerstörbar. Regelmäßige Kontrolle hilft dabei, Schäden frühzeitig zu erkennen und gefährliche Situationen zu vermeiden.

Besonders wichtig sind:

  • sichtbare Beschädigungen ernst nehmen,
  • Verfärbungen und UV-Schäden beachten,
  • textile Materialien regelmäßig prüfen,
  • Verschleiß an Metallteilen kontrollieren,
  • nach besonderen Ereignissen wie Stürzen oder Steinschlag genauer hinschauen.

Die eigene Ausrüstung zu kennen und regelmäßig zu überprüfen gehört genauso zum Klettern wie Technik, Training und Sicherung. Denn am Ende geht es nicht nur um das eigene Material – sondern auch um meine Sicherheit und die des Menschen am anderen Ende des Seils.



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