08 Dez. Folge 125 | Mehrseillängen

Vorbereitung, Ausrüstung und wichtige Tipps
Mehrseillängen stellen andere Anforderungen als klassische Sportkletterrouten. Neben der Klettertechnik sind Planung, Materialwahl und Organisation entscheidend. Besonders bei langen Touren verbringt man mehrere Stunden in der Wand – deshalb sollte die Ausrüstung gut gewählt und auf das Wesentliche reduziert sein.
Essen und Trinken für lange Klettertage
Bei längeren Mehrseillängen sind ausreichend Flüssigkeit und Energie entscheidend. Eine normale Wasserflasche ist im kleinen Rucksack oft unpraktisch, deshalb empfiehlt sich eine Trinkblase. Sie verteilt das Gewicht besser und lässt sich während der Tour einfacher nutzen. Wie viel Wasser benötigt wird, hängt von Wetter, Länge der Route und persönlichem Bedarf ab. Während bei gemäßigten Bedingungen oft ein bis eineinhalb Liter pro Person ausreichen können, braucht man an heißen Tagen deutlich mehr.
Auch beim Essen sollte man auf eine gute Energieversorgung achten. Sinnvoll sind Lebensmittel mit:
- vielen Kohlenhydraten,
- ausreichend Protein,
- schnell verfügbarer Energie durch Zucker.
Geeignet sind beispielsweise Energieriegel oder fertige Mahlzeiten, die ohne Kochen auskommen. Ein Kocher ist bei Mehrseillängen meist zusätzliches Gewicht und daher wenig praktikabel. Eine gute Vorbereitung beginnt bereits am Vorabend: Mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit lassen sich die Energiespeicher für den nächsten langen Klettertag auffüllen.
Gewicht sparen – aber sinnvoll
Bei Mehrseillängen zählt jedes Gramm. Besonders der Nachsteiger trägt häufig den Rucksack, und zusätzliches Gewicht kann die Bewegungsfreiheit deutlich einschränken.
Deshalb sollte man bei jedem Ausrüstungsgegenstand überlegen:
- Wird es wirklich benötigt?
- Gibt es eine leichtere Alternative?
- Kann darauf verzichtet werden?
Auch bei Schuhen lässt sich Gewicht sparen. Für einfache Zustiege können leichte Flipflops eine Option sein, da sie kaum Platz und Gewicht benötigen. Bei schwierigen Zustiegen oder Abstiegen sollte man jedoch nicht auf geeignetes Schuhwerk verzichten.
Der richtige Rucksack
Ein Rucksack für Mehrseillängen sollte vor allem die Bewegungsfreiheit nicht einschränken.
Zu große Modelle können beim Klettern stören, da sie:
- zu lang für den Rücken sein können,
- an den Schultern behindern,
- die Bewegungen einschränken.
Deshalb sollte ein Rucksack nicht nur nach Volumen ausgewählt, sondern vor dem Einsatz beim Klettern getestet werden.
Erste Mehrseillängen: Einfach anfangen
Für die ersten Erfahrungen empfiehlt es sich, mit kurzen und gut abgesicherten Routen zu beginnen.
Auch wenn man bereits gut klettert, kommen bei Mehrseillängen viele neue Abläufe hinzu:
- Standplatzbau,
- Seilmanagement,
- Kommunikation,
- Materialorganisation.
Eine einfache Route ermöglicht es, diese Abläufe in Ruhe zu lernen, ohne gleichzeitig an der eigenen Klettergrenze zu sein.
Standplätze und Seilmanagement
Vor der Tour sollte man überlegen, ob man in Wechselführung klettert oder eine Person die gesamte Route vorsteigt. Bei der Wechselführung übernimmt jede Person abwechselnd eine Seillänge. Das kann effizient sein und ermöglicht eine gute Organisation am Standplatz. Ich bevorzuge es, den Standplatz mit dem eigenen Seil aufzubauen, weil dadurch zusätzliches Material eingespart werden kann. Wer nicht in Wechselführung klettert, benötigt häufig eine Standplatzschlinge und eine persönliche Sicherungsschlinge.
Eine gute Vorbereitung verhindert unnötige Pausen am Standplatz, bei denen erst Material sortiert oder die nächsten Schritte überlegt werden müssen.
Absicherung und zusätzliches Material prüfen
Vor jeder Mehrseillänge sollte man die Route und ihre Absicherung genau kennen. Auch Sportkletter-Mehrseillängen können längere Hakenabstände haben. Deshalb empfiehlt es sich, mindestens ein Set Keile mitzunehmen. Je nach Route können auch weitere mobile Sicherungsmittel wie Friends notwendig sein. Das Topo sollte vorher geprüft werden, damit klar ist, welches Material tatsächlich benötigt wird.
Sicherungsgeräte und Sicherheit
Bei langen Mehrseillängen spielt auch das Sicherungsgerät eine Rolle. Ein HMS spart zwar Gewicht, führt aber dazu, dass sich das Seil stärker verdreht und krangelt. Deshalb nutze ich persönlich bei Mehrseillängen lieber Geräte, die besser mit langen Touren funktionieren. Wichtig ist besonders beim Vorstiegssichern ein Gerät mit Blockierfunktion. Sollte der Sichernde ausfallen z.B. durch einen Steinschlag, bleibt der Partner dadurch besser geschützt.
Kommunikation und Notfallplanung
Bei Mehrseillängen empfehle ich, dass beide Personen ein eigenes Telefon dabeihaben. So besteht auch im Notfall die Möglichkeit, Hilfe zu rufen. Zusätzlich sollte das Topo fotografiert werden, damit beide Kletterer jederzeit Zugriff auf die Routeninformationen haben.
Fazit
Eine erfolgreiche Mehrseillänge hängt nicht nur von der Kletterleistung ab. Gute Vorbereitung, sinnvolle Ausrüstung und eine realistische Routenauswahl machen lange Touren sicherer und angenehmer. Gerade am Anfang sollte man lieber einfache Routen wählen und sich auf die Abläufe konzentrieren. Wenn diese sicher funktionieren, kann man sich Schritt für Schritt an längere und anspruchsvollere Touren herantasten.