Folge 22 | Richtiges Spotten von Kindern

Folge 22 | Richtiges Spotten von Kindern

Warum Kinder anders gespottet werden müssen

Beim Spotten geht es darum, Verletzungen zu vermeiden. Während bei Erwachsenen meist darauf geachtet wird, dass sie kontrolliert auf den Füßen landen und nicht auf Rücken oder Kopf stürzen, gelten für Kinder andere Voraussetzungen. Kinder sind kleiner, die Boulderwände bleiben aber gleich hoch. Dadurch entspricht ein Sturz aus der gleichen Höhe für sie einer deutlich größeren Belastung. Das Verletzungsrisiko steigt entsprechend – besonders an Füßen, Knien und Wirbelsäule. Wer mit Kindern bouldert, sollte deshalb potenzielle Gefahren früh erkennen und aktiv absichern.

Fallschule ist unverzichtbar

Ein wichtiger Bestandteil des Boulderns mit Kindern ist eine gute Fallschule. Sie sollte genauso selbstverständlich sein wie in Sportarten wie Judo oder Parcours. Kinder lernen dabei, sich aus unterschiedlichen Situationen sicher abzurollen und Stürze besser zu kontrollieren. Das reduziert nicht nur das Verletzungsrisiko im Training, sondern hilft auch dabei, in unerwarteten Situationen instinktiv richtig zu reagieren.

Typische Gefahren je nach Wandneigung

Je nach Wandneigung verändern sich auch die möglichen Sturzbilder.

Dach

Im Dach befinden sich die Füße oft auf einer Höhe mit dem Oberkörper oder sogar darüber. Fallen Kinder hier heraus, landen sie häufig auf Rücken oder Kopf. Besonders problematisch sind dabei Stürze auf die Lendenwirbelsäule oder das Steißbein.

Starker Überhang

Auch im Überhang bleiben die Füße häufig zu lange oben. Kommen die Hände erst am höchsten Punkt von den Griffen, droht ein Sturz auf Bauch, Brust, Arme oder Kopf. Besonders dynamische Züge nach hinten bergen hier ein erhöhtes Risiko.

Leichter Überhang und senkrechte Wand

Hier landen Kinder meist auf den Füßen. Fallen sie jedoch aus großer Höhe, können Knie und Sprunggelenke die Belastung nicht immer ausreichend abfangen. Ohne kontrolliertes Abrollen schlagen sie häufig durch und landen anschließend auf Gesäß oder Rücken.

Platte

An Platten entstehen andere Gefahren. Zum einen können Füße in den Spalt zwischen Wand und Matte rutschen und umknicken. Zum anderen stellen große Volumen oder Makros zusätzliche Hindernisse dar, auf die Kinder stürzen können.

Worauf beim Spotten besonders geachtet werden sollte

Gefährlich wird es immer dann, wenn sich die Füße auf Höhe des Kopfes oder sogar darüber befinden. In diesen Situationen verlieren Kinder häufig die Orientierung und schaffen es nicht mehr rechtzeitig, die Füße nach unten zu bringen. Gerade deshalb sollte der Spotter solche Situationen früh erkennen und besonders aufmerksam begleiten.

Die richtige Position beim Spotten

Kinder werden deutlich näher gespottet als Erwachsene. Der Spotter steht möglichst dicht am Kind und beobachtet dabei vor allem die Mitte des Rückens. Von dort aus lässt sich die gesamte Bewegung am besten einschätzen, ohne den Blick ständig neu ausrichten zu müssen.

Gleichzeitig hilft es, den Boulder bereits vorher zu analysieren:

  • Welche Bewegungen kommen?
  • Gibt es dynamische Züge?
  • Könnte das Kind nach hinten pendeln?
  • Wo könnte ein Sturz entstehen?

Je besser die Bewegung eingeschätzt wird, desto schneller kann reagiert werden.

Körperspannung ist auch für den Spotter wichtig

Beim Spotten sollte der eigene Körper stets unter Spannung stehen. Es geht nicht darum, das Kind vollständig aufzufangen, sondern möglichst viel Bewegungsenergie herauszunehmen und den Sturz kontrolliert umzuleiten. Je nach Größe und Gewicht des Kindes kann der Spotter einen Teil des Gewichts aktiv übernehmen. Bei größeren oder schwereren Jugendlichen ähnelt das Spotten dagegen immer mehr dem klassischen Spotten bei Erwachsenen. Dabei gilt immer: Auch auf den eigenen Rücken achten und sich nicht selbst verletzen.

Kraft herausnehmen statt auffangen

Das Ziel ist nicht, das Kind in der Luft festzuhalten.

Viel wichtiger ist es,

  • die Aufprallkraft zu reduzieren,
  • den Sturz in Richtung Füße umzulenken,
  • Rücken- und Kopfstürze zu verhindern oder zumindest deutlich abzuschwächen.

Gerade bei kleineren Kindern lässt sich so die Belastung beim Landen spürbar reduzieren.

Dynamische Sprünge richtig absichern

Bei Sprüngen nach hinten sollte der Spotter nicht direkt hinter dem Kind stehen, sondern leicht seitlich. So besteht die Möglichkeit, das Kind am Rücken aufzufangen, die Bewegung abzubremsen und in eine sichere Landung umzuleiten, ohne selbst im Weg zu stehen.

Manche Kinder fallen besser als andere

Nicht jedes Kind braucht die gleiche Unterstützung. Manche rollen sich von Anfang an erstaunlich gut ab und landen auch aus größeren Höhen kontrolliert. Andere müssen diese Fähigkeiten erst lernen. Genauso unterschiedlich gehen Kinder an Boulder heran. Manche probieren mutig immer neue Lösungen aus und denken dabei kaum über mögliche Stürze nach. Das kann beim Lernen hilfreich sein, erfordert aber umso mehr Aufmerksamkeit durch Trainer oder Eltern.

Sprünge nach unten möglichst vermeiden

Sprünge direkt nach unten belasten Sprunggelenke und Knie besonders stark. Da Kletterschuhe kaum Dämpfung besitzen, wirken die Kräfte nahezu ungefiltert auf Gelenke und Knochen. Im Wettkampf sind solche Sprünge deshalb bewusst verboten. Auch im Training sind sie für Kinder keine gute Wahl.

Das Wichtigste auf einen Blick

Beim Spotten von Kindern geht es vor allem darum, Stürze früh zu erkennen und möglichst sicher zu begleiten. Wer nah am Kind steht, die Mitte des Rückens beobachtet und den Boulder vorher analysiert, kann viele gefährliche Situationen deutlich entschärfen. Genauso wichtig ist eine regelmäßige Fallschule. Kinder lernen dadurch, kontrolliert zu landen und sich sicher abzurollen. Gemeinsam mit aufmerksamem Spotten ist das der beste Schutz vor unnötigen Verletzungen beim Bouldern.



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