Folge 37 | Kevlar, Dyneema & Nylon

Folge 37 | Kevlar, Dyneema & Nylon

Die wichtigsten Materialien im Klettersport

Beim Klettern kommen wir täglich mit verschiedenen Hochleistungsmaterialien in Kontakt. Seile, Bandschlingen und Reepschnüre bestehen vor allem aus drei Materialien: Nylon (Polyamid), Dyneema (HPPE, HMPE) und Kevlar (Aramid).

Jedes Material besitzt besondere Eigenschaften und eignet sich deshalb für unterschiedliche Einsatzbereiche.

Nylon: Das Material für Kletterseile

Nylon ist das klassische Material für Kletterseile. Der entscheidende Vorteil ist seine Elastizität. Bei einem Sturz kann Nylon Energie aufnehmen und dadurch die Belastung auf Mensch und Material reduzieren. Seine Nachteile liegen vor allem bei der Schnittfestigkeit und der geringeren statischen Festigkeit im Vergleich zu Dyneema oder Kevlar.

Dyneema: Extrem fest, aber wenig elastisch

Dyneema ist ein sehr leichtes und extrem reißfestes Material. Deshalb wird es häufig für Bandschlingen und Reepschnüre verwendet. Allerdings besitzt Dyneema kaum Dehnung. Bei dynamischen Belastungen, wie einem Sturz, kann es deshalb deutlich höhere Kräfte weitergeben und selbst nicht aufnehmen, weshalb es unter dynamischen Belastungen schneller reißt als Nylon. Außerdem ist das Material sehr glatt. Reine Dyneema-Schlingen werden deshalb nicht geknotet, sondern vernäht eingesetzt. Dyneema ist besonders interessant, wenn es um hohe Festigkeit, geringes Gewicht und gute Schnittfestigkeit geht.

Kevlar: Stark und hitzebeständig

Kevlar gehört zu den Aramiden und besitzt eine sehr hohe Festigkeit sowie eine gute Widerstandsfähigkeit gegenüber Schnitten und Hitze. Der Nachteil: Wie Dyneema kann Kevlar kaum Energie aufnehmen und ist deshalb für dynamische Belastungen nicht geeignet. Im Klettersport wird Kevlar deshalb nicht für normale Kletterseile verwendet, sondern eher in speziellen Anwendungen, beispielsweise zur Erhöhung der Schnittfestigkeit.

UV-Belastung: Was passiert mit den Materialien in der Sonne?

Bei persönlicher Kletterausrüstung ist UV-Strahlung normalerweise nicht der wichtigste Alterungsfaktor. Viel entscheidender sind mechanische Schäden durch Abrieb, Kanten oder falsche Lagerung. Anders sieht es bei Material aus, das jahrelang in der Wand hängt, beispielsweise fixe Schlingen oder altes Material an Standplätzen.

Dabei unterscheiden sich die Materialien:

Nylon

Bei Nylon dringen UV-Strahlen nicht besonders tief in das Material ein. Allerdings haben sie eine starke Wirkung auf die Oberfläche. Das bedeutet: Das Material wird hauptsächlich außen geschädigt. Bei einem Kletterseil ist das ein Vorteil, denn der Mantel schützt den Kern. Selbst wenn die Oberfläche durch UV-Strahlung beeinträchtigt wird, bleibt der innere Bereich deutlich besser geschützt.

Dyneema

Bei Dyneema sieht die Situation anders aus. Die UV-Strahlung dringt deutlich tiefer in das Material ein. Zwar ist Dyneema grundsätzlich widerstandsfähiger gegenüber UV-Strahlung als Nylon, aber die tiefere Durchdringung kann langfristig problematisch sein. Bei einem Vergleich gleicher Materialstärken kann Nylon deshalb unter UV-Belastung länger seine Festigkeit behalten, weil der Kern geschützt bleibt.

Kevlar

Kevlar zeigt im Vergleich die beste UV-Beständigkeit. Die UV-Strahlung dringt kaum tief ein und die Auswirkungen auf das Material sind relativ gering. Trotzdem wird Kevlar nicht als Material für Kletterseile verwendet. Der Grund liegt nicht in der UV-Belastung, sondern in der geringen Fähigkeit, dynamische Energie aufzunehmen. Bei einem Sturz ist diese Eigenschaft entscheidend.

Bandschlingen: Nicht zum Stürzen gedacht

Ein wichtiger Punkt: Bandschlingen sind keine Sicherungssysteme für Stürze.

Auch wenn moderne Materialien sehr hohe Festigkeiten besitzen, können Dyneema und Kevlar aufgrund ihrer geringen Dehnung bei dynamischer Belastung schnell hohe Kräfte erzeugen. Nylon schneidet hier besser ab, weil es Energie aufnehmen kann. Trotzdem gilt: Eine Bandschlinge sollte möglichst nur statisch belastet werden.

Knoten in Dyneema-Schlingen

Dyneema-Schlingen werden normalerweise vernäht verwendet. Eine aufgeschnittene Dyneema-Schlinge sollte niemals wieder zusammengeknotet werden. Eine vernähte Schlinge kann zwar zur Verkürzung geknotet werden, dabei reduziert sich jedoch die Festigkeit abhängig vom verwendeten Knoten.

Schnittfestigkeit: Dyneema und Kevlar haben Vorteile

Bei Belastungen über scharfe Kanten zeigen Dyneema und Kevlar deutliche Vorteile gegenüber Nylon. Deshalb eignen sie sich besonders für Anwendungen, bei denen eine hohe Schnittfestigkeit wichtig ist, beispielsweise beim Abbinden von Sanduhren oder Kantenbelastungen.

Fazit

Nylon, Dyneema und Kevlar haben jeweils ihren eigenen Einsatzbereich:

Nylon

  • elastisch
  • nimmt Sturzenergie auf
  • ideal für Kletterseile

Dyneema

  • extrem fest und leicht
  • recht schnittfest
  • ideal für Bandschlingen und spezielle Reepschnüre

Kevlar

  • sehr fest und hitzebeständig
  • hohe Schnittfestigkeit
  • weniger geeignet für dynamische Belastungen

 

Die wichtigste Erkenntnis: Nicht das stärkste Material ist automatisch das beste. Entscheidend ist, welche Belastung im jeweiligen Einsatzbereich entsteht.



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