Folge 77 | 9 große Sicherungsfehler

Folge 77 | 9 große Sicherungsfehler

9 große Sicherungsfehler beim Klettern – und wie du sie vermeidest

Beim Klettern entscheidet nicht nur das Material über die Sicherheit, sondern vor allem der Mensch am anderen Ende des Seils. Viele Unfälle entstehen nicht durch defekte Ausrüstung, sondern durch Fehler beim Sichern.

Auch erfahrene Kletterer sind davor nicht geschützt: Gut klettern zu können bedeutet nicht automatisch, auch gut zu sichern. Wer sichert, übernimmt Verantwortung für einen anderen Menschen – und genau deshalb sollte die eigene Sicherungstechnik regelmäßig hinterfragt werden.

1. Das Bremsseil loslassen

Der häufigste Fehler beim Sichern ist das Loslassen des Bremsseils. Egal welches Sicherungsgerät verwendet wird: Die Bremshand bleibt immer am Bremsseil. Auch Halbautomaten blockieren nicht zuverlässig, wenn sie falsch bedient werden.

Typische Fehler:

  • Bremsseil wird komplett losgelassen
  • Seil wird nur mit Daumen und Zeigefinger gehalten (Pinzettengriff)
  • Halbautomaten werden mit der ganzen Hand umschlossen und dadurch möglicherweise blockiert

 

Die Bremshand gehört beim Sichern unter das Gerät und muss jederzeit bremsbereit sein.

2. Falsche Position des Sichernden

Der Sichernde sollte nah an der Wand stehen und nicht direkt unter dem Kletternden.

Eine gute Position:

  • etwa ein bis zwei Meter Abstand zur Wand
  • seitlich versetzt zur Falllinie
  • Sturzbereich freihalten

 

Steht der Sichernde zu weit entfernt, verlängert sich der Sturzweg. Außerdem besteht die Gefahr, dass er beim Sturz zur Wand gezogen wird und dabei die Bremshand öffnet, um sich abzufangen.

3. Zu viel Schlappseil

Zu viel Schlappseil kann gefährlich werden. Viele möchten weich sichern und geben deshalb zu viel Seil aus. Eine weiche Sicherung entsteht aber nicht durch unnötig viel Schlappseil, sondern durch kontrolliertes Sichern und passende Reaktionen des Sichernden.

Gerade beim Vorstieg sollte der Sichernde:

  • den Kletternden immer beobachten
  • die Seilmenge anpassen
  • schnell reagieren können

 

4. Falsche Clipposition

Die sicherste Position zum Clippen liegt ungefähr zwischen Bauch und Hüfte. Überstrecktes Clippen erhöht den möglichen Sturzweg, weil zusätzliches Seil aus dem System gezogen wird. Besonders in den unteren Metern einer Route kann das entscheidend sein.

5. Gewichtsunterschiede unterschätzen

Große Gewichtsunterschiede zwischen Kletterndem und Sicherndem können die Sicherung beeinflussen. Schon ab etwa zehn Kilogramm Unterschied sollte man sich Gedanken über zusätzliche Sicherungsmethoden machen. Je größer beide Personen sind, desto stärker kann sich derselbe Gewichtsunterschied auswirken.

6. Fehlender Partnercheck

Der Partnercheck sollte nicht nur aus einem kurzen Blick bestehen.

Eine aktive Kontrolle ist sicherer:

  • Knoten überprüfen
  • Karabiner kontrollieren
  • Sicherungsgerät prüfen
  • Seilverlauf kontrollieren
  • Blockiertest durchführen

 

Nach jeder Unterbrechung sollte der komplette Check wiederholt werden. Ein paar Sekunden Kontrolle können schwere Unfälle verhindern.

7. Unkontrolliertes Ablassen

Das Ablassen gehört zu den häufigen Unfallursachen. Auch wenn schnelles Ablassen manchmal beeindruckend wirkt: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit.

Beim Ablassen gilt:

  • konzentriert bleiben
  • Geschwindigkeit kontrollieren
  • den Hebel nicht unkontrolliert durchziehen

 

8. Sturzbereich freihalten

Niemand sollte sich im direkten Sturzbereich einer kletternden Person aufhalten.

Das gilt für:

  • den Sichernden
  • andere Kletternde
  • Zuschauer

 

Besonders draußen am Fels sollte zusätzlich auf Steinschlag und ausreichend Abstand geachtet werden.

9. Ablenkung beim Sichern

Beim Sichern zählt volle Aufmerksamkeit. Gespräche, Handys oder andere Ablenkungen führen dazu, dass der Blick nicht mehr dauerhaft beim Kletternden bleibt. Genau diese kurzen Momente können entscheidend sein.

Der Sichernde muss jederzeit:

  • den Kletternden beobachten
  • die Situation einschätzen
  • auf Stürze reagieren können

 

Sichern bedeutet Verantwortung

Die meisten schweren Sicherungsfehler entstehen nicht durch Materialprobleme, sondern durch menschliche Fehler. Ein guter Sicherungspartner zeichnet sich nicht nur durch Erfahrung aus, sondern durch Aufmerksamkeit, saubere Technik und die Bereitschaft, die eigenen Abläufe regelmäßig zu überprüfen. Denn beim Sichern geht es nicht nur um die eigene Sicherheit – sondern um das Leben des Menschen am anderen Ende des Seils.



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